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Das Motivationsschreiben – Vergebliche Liebesmühe oder wertvolles Marketingtool

By Juni 22, 2017 No Comments

 

«NZZ Online» / von Sabine Byland

Im Rahmen unserer Beratungstätigkeit werden wir häufig von Stellensuchenden gefragt, ob sich der Aufwand lohnt, jedes Mal wieder von Neuem Kreativität und Mühe in ein gutes Motivationsschreiben zu investieren. Diese Frage beantworten wir mit einem klaren JA – aus Erfahrung und Überzeugung, denn es bietet Ihnen als KandidatIn die Möglichkeit, sich aus der Menge abzuheben. Allerdings sind beim Verfassen des Begleitschreibens einige wichtige Kriterien zu beachten.

Klarer Bezug
Wir lesen täglich Dutzende von Motivationsschreiben und stellen bezüglich Qualität erhebliche Unterschiede fest, sowohl was den Stil als auch die Form anbetrifft. Inhaltlich sollten Sie sich stets in die Rolle der HR-Verantwortlichen versetzen, die Ihr Schreiben zu beurteilen haben. Nehmen Sie klaren Bezug auf die im Inserat erwähnten Anforderungen hinsichtlich Aus- und Weiterbildung, Berufspraxis und Persönlichkeit, versuchen Sie die Prioritäten zu erkennen und heben Sie hervor, aufgrund welcher Fähigkeiten, Eigenschaften und Erfahrungen Sie die jeweiligen Anforderungen erfüllen. Auf diese Weise kann Ihr Gegenüber rasch erfassen, weshalb Sie ein/e geeigneter Kandidat oder Kandidatin sind. Sollten Sie ein offensichtlich wichtiges Kriterium nicht erfüllen, nehmen Sie dazu proaktiv Stellung und erläutern Sie, warum Sie sich der Aufgabe trotzdem gewachsen fühlen (z.B. durch entsprechende Erfahrung on-the-job etc.).

Fehlerfreie Dokumente
Hinsichtlich Darstellung und Form müssen Ihre eingereichten Dokumente fehlerfrei und sorgfältig aufbereitet sein. Ihr Lebenslauf muss gut strukturiert und visuell ansprechend sein und Ihren bisherigen Werdegang lückenlos darstellen. Lassen Sie eine Drittperson Ihre Bewerbungsunterlagen durchlesen, um Flüchtigkeitsfehlern keine Chance zu geben, denn diese wirken immer nachlässig und unprofessionell.

Kürze und Prägnanz
Angesichts der Tatsache, dass Positionen heutzutage in Windeseile zu besetzen sind, müssen HR-Verantwortliche sehr effizient mit ihrer beschränkten Zeit umgehen. Dies bedeutet, je klarer und kürzer Sie sich fassen, desto grösser sind Ihre Chancen, dass Ihr Begleitschreiben Beachtung findet und bis zum Schluss gelesen wird. Eine DIN A4-Seite sollte ausreichen, um auf die wesentlichen Punkte im Inserat einzugehen und Ihre entsprechende Eignung darzustellen. Es gilt also Kürze und Prägnanz als oberstes Gebot zu beachten.

Motivation
Bringen Sie Ihre Begeisterung und Motivation für die Aufgabe klar zum Ausdruck und warum Sie für das Unternehmen tätig werden möchten. Selbstverständlich sind wir uns bewusst, dass mit zunehmender Dauer der Stellensuche die Bereitschaft, wieder Zeit, Energie und Fantasie für das Begleitschreiben aufzuwenden, abnimmt. Mitunter wird dies als anstrengend und «das bringt doch eh Nichts» empfunden. Niemand stellt in Abrede, dass sich die Stellensuche heutzutage sehr anspruchsvoll gestaltet. Ist es doch schon schwer genug, sich der fortwährenden emotionalen Berg- und Talfahrt im Bewerbungsprozess zu stellen. Die Etappen sind langwierig und anstrengend: vom Warten auf eine erste Reaktion (wenn diese überhaupt erfolgt) bis zum Hoffen auf eine Einladung zum Interview und dem Bangen vor einem frühzeitigen Aus. Wir möchten Sie trotzdem dazu ermutigen, diese Zeit zu investieren. Vielleicht macht Ihr Motivationsschreiben genau dieses eine Mal den kleinen aber feinen Unterscheid – und schon hat sich Ihre Mühe ausbezahlt. Hinzu kommt, dass Sie mit zunehmender Routine immer geübter und schneller werden beim Verfassen.

Wertvolles Differenzierungsmerkmal
Weshalb kann das Motivationsschreiben zum wichtigen Differenzierungsmerkmal werden? Bei der Fülle an Bewerbungen, die – je nach Position – auf einzelne Stellenausschreibungen eingehen, können Sie sich durch ein gutes Bewerbungsschreiben von Beginn an aus der Masse herausheben. Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihre Motivation und Eignung für eine bestimmte Funktion und ein spezifisches Unternehmen darzulegen und sich als Persönlichkeit ein klares Profil zu geben. Diese Punkte stellen für potentielle Arbeitgeber neben der rein fachlichen Eignung sehr wichtige Selektionskriterien dar. Zeigen Sie Ihrem Gegenüber auf, warum genau Sie der/die passende KandidatIn für die zu besetzende Position sind. Falls das Unternehmen bekannt ist, empfiehlt es sich zu erwähnen, warum Sie sich mit dessen Geschichte und Werten identifizieren können. Auf diese Weise kommen sowohl Ihre Persönlichkeit, Ihre Kompetenz und eben auch Ihr Interesse zum Ausdruck.