On the job

Die Top-Ten-Themen 2017

By Dezember 12, 2017 No Comments

 

Pro Jahr führen wir Hunderte von Interviews mit Bewerbern und Bewerberinnen und erfahren auf diese Weise, was Arbeitnehmer und Stellensuchende beschäftigt und bewegt. Nachfolgend haben wir für Sie die Top-Ten-Themen dieses Jahres zusammengestellt. Die Reihenfolge ist frei gewählt und entspricht keinem Ranking.

Anerkennung

Obwohl das Thema «Anerkennung und Wertschätzung am Arbeitsplatz» gemeinhin als «ausgeluscht» gilt, steht es auch 2017 weit oben auf der Liste der meist genannten Anliegen seitens Kandidaten. Nicht verwunderlich, ist es doch für das seelische Wohlbefinden jedes Menschen ein extrem wichtiges Kriterium, für Einsatz und Leistung anerkannt zu werden. Nach wie vor kommt Wertschätzung im Arbeitsleben zu wenig zum Ausdruck. Vielerorts wird ein hohes Engagement gefordert und als selbstver-ständlich erachtet. Nicht selten hören wir von Arbeitnehmern, dass ihnen von ihren Vorgesetzten gesagt wird, sie sollten dankbar sein und sich glücklich schätzen, in der heutigen Zeit überhaupt eine Arbeits-stelle zu haben. Und, wem es nicht passt, der kann ja gehen. Nach derartigen Aussagen fällt es schwer, die Eigenmotivation hochzuhalten. Dabei bräuchte es relativ wenig, damit sich Angestellte wahrge-nommen und geschätzt fühlen. Interesse für deren Aufgaben und Anliegen zu zeigen, benötigt nicht Stunden, ist aber sehr wirkungsvoll.

Meine Empfehlung an Führungskräfte: Zeigen Sie Interesse für die Aufgaben und Anliegen Ihres Teams. Dies benötigt nicht Stunden, ist aber sehr wirkungsvoll. Starten Sie gleich mit diesem Vorsatz ins neue Jahr. Sie werden erstaunt sein, was Sie damit in Sachen Mitarbeitermotivation bewirken können.

Verbindlichkeit

Regelmässig kam uns zu Ohren, dass in Vorstellungsgesprächen mit dem potenziellen neuen Arbeitgeber die künftige Aufgabe interessanter und vielseitiger dargestellt wird, als sich dann in der Realität herausstellt. Dies führt zu Frustrationen beim neuen Stelleninhaber und nicht selten zu einer Trennung im Laufe des ersten Anstellungsjahres. Was für beide Seiten sehr enttäuschend und mit viel Zusatzaufwand (und Kosten) verbunden ist, könnte durch korrekte Stellenbeschreibungen vermieden werden. Die am besten qualifizierte Person muss nicht zwingend auch die beste Besetzung bedeuten. Ein Rennpferd im Stall nützt Ihnen nichts, wenn Sie diesem nicht den nötigen Auslauf und die Teilnahme an Wettkämpfen bieten können.

Mein Appell an HR-Verantwortliche und Linienmanager: Überlegen Sie im Vorfeld einer neu geschaffe-nen oder neu zu besetzenden Position sehr genau, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen hinsichtlich fachlicher und persönlicher Eignung.

Flexiblere Arbeitszeitmodelle

Ein weiteres, häufig genanntes Thema in diesem Jahr war der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeit-modellen. Nicht nur aus Sicht von Arbeitnehmerinnen, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, sondern generell, um Zeit für die persönliche Verwirklichung ausserhalb des Jobs zu haben. Sei dies, um sich sozial zu engagieren, kreativen Bedürfnissen nachzugehen, ein berufsbegleitendes Studium aufzunehmen o.ä. Die heutigen modernen Kommunikationsmittel ermöglichen es zunehmend, dass die Arbeitsleistung unabhängig vom Arbeitsort erbracht werden kann und dem Wunsch nach punktuellen oder auch fixen home office-Tagen somit nichts im Wege stehen würde. Auf Arbeitgeberseite wird jedoch nach wie vor die physische Präsenz vor Ort bevorzugt und home office nur in Ausnahmefällen und oftmals hart erkämpft, bewilligt. Auch weitere Varianten wie Teilzeit, Jobsharing, Jahresarbeitszeit etc. werden noch viel zu selten angeboten.

Meine Empfehlung an Unternehmen: Durch flexible Arbeitszeitmodelle werden Sie als moderner Arbeitgeber wahrgenommen. In Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels sollten Firmen – sofern die Tätigkeiten dies zulassen – verstärkt über moderne Arbeitsformen nachdenken, um einen breiteren Kreis an potenziellen Arbeitnehmern anzusprechen.

Karriereplanung

Beim Thema Karriereplanung wurde häufig bemängelt, dass Unternehmen der Weiterentwicklung ihrer Mitarbeitenden zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Mehrheitlich muss die Diskussion von internen Karrieremöglichkeiten oder das Thema Weiterbildung von den Mitarbeitenden selber aufgenommen werden. Von einem modernen und attraktiven Arbeitgeber erwarten ambitionierte Arbeitnehmer hingegen, dass die Initiative vom Unternehmen ausgeht. Diejenigen Mitarbeiter, die mit Karriere-vorstellungen ins Unternehmen eintreten, sind auch diejenigen, die ein Unternehmen durch ihre hohe Leistungsfähigkeit und -bereitschaft vorwärtsbringen können. Diesen Mitarbeitenden müssen Karriere-wege und Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, um sie mittelfristig zu halten, sei es on-the-job oder durch externe Weiterbildungsmöglichkeiten wie beispielsweise ein Executive MBA.

Mein Fazit an die HR-Abteilung: Ein systematisches Talent Management und sorgfältig, geplante Nachfolgelösungen sind heutzutage unerlässlich.

Unprofessionelle Rekrutierungsprozesse

Dieses Jahr haben sich kritische Rückmeldungen zu den Rekrutierungspraktiken auf Unternehmens-seite stark gehäuft. Anscheinend ist es keine Seltenheit mehr, dass Bewerber nach dem Einreichen ihrer Bewerbung nichts mehr vom Unternehmen hören, nicht einmal eine Absage erhalten. Auch gestalten sich die Rekrutierungsverfahren zunehmend aufwändiger und zeitintensiver. Als Bewerber muss man mehrmals zu Interviewterminen erscheinen, Case studies ausarbeiten und Assessment Center durchlaufen. Von den Bewerbern wird eine hohe zeitliche Flexibilität gefordert, was nicht immer ganz einfach ist, wenn diese noch angestellt sind. Angesichts des von den Bewerbern heute verlangten Aufwandes sollten auch die Unternehmen sicherstellen, dass ihre Prozesse professional ablaufen.

Meine Empfehlung an die Unternehmensseite: Stellen Sie sicher, dass Bewerber jeweils zeitnah eine Rückmeldung erhalten. Ein einfaches Mittel, um wirkungsvolles Employer Branding zu betreiben.

Digitalisierung

Mögliche Auswirkungen der fortschreitenden Digitalisierung auf die eigene berufliche Zukunft verun-sichert viele Beschäftigten. Zahlreiche Fragen wie: Was muss ich heute tun, um morgen noch attraktiv zu sein auf dem Arbeitsmarkt? Wie kann ich mich für die künftigen Herausforderungen «fit machen»? usw. stehen im Raum. Als Arbeitgeber ist es daher sehr wichtig, für das eigene Unternehmen zu wissen, welche diesbezüglichen Anforderungen auf das Unternehmen und die Belegschaft zukommen werden. Auf diese Weise können der notwendige Ausbildungsbedarf rechtzeitig festgestellt und entsprechende Entwicklungsprogramme ausgearbeitet werden. Für beide Seiten schafft dies Transparenz und Un-sicherheiten kann wirkungsvoll begegnet werden.

Meine Empfehlung an die Unternehmensseite:  Überprüfen Sie regelmässig, ob Sie diesem Anspruch gerecht werden, auch entsprechende Mitarbeiterumfragen können hilfreich sein.

Mobbing, Burnout, etc.

Häufiger als in den vergangenen Jahren waren auch psychische Erkrankungen ein Thema. Ob dies dem Umstand geschuldet ist, dass sich die Menschen heute eher trauen, darüber zu sprechen oder die Anzahl der Fälle tatsächlich markant zugenommen hat, bleibt offen. Offensichtlich aber ist, dass viele Beschäftige überfordert sind von den heutigen Arbeitsbedingungen, immer mehr in immer kürzerer Zeit zu bewältigen und die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht sind. Leider haben auch die Äusserungen zu Mobbingvorfällen deutlich zugenommen.

Mein Rat: Jeder Einzelne ist angehalten, Alarmzeichen bei Burnout-Symptomen und Mobbing ernst zu nehmen und rechtzeitig zu reagieren. Es ist aber auch höchste Zeit auf Unternehmensseite, Mass-nahmen zu ergreifen, um diesen Entwicklungen entgegenwirken.

Werte

Fast jedes Unternehmen besitzt heutzutage ein Unternehmensleitbild. Und nicht selten wird viel Zeit und Geld für die Definition der zugrunde gelegten Werte verwendet. Von Arbeitnehmerseite hören wir aber leider sehr oft, dass die Werte zwar «auf dem Papier» festgehalten sind, vom Management aber nicht vorgelebt werden. Ohne die konsequente Umsetzung der Wertevorstellungen in der täglichen Zusammenarbeit zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden kann eine Unternehmenskultur aber nicht zum Leben erweckt werden. Ein vertrauens- und respektvoller Umgang ist einer der am häufigsten genannten Wünsche unserer Kandidatinnen und Kandidaten und fast immer auch fester Bestandteil der Unternehmensleitbilder. Es mangelt also nur an der Umsetzung.

Meine Empfehlung an die Führungskräfte: Sie als Vorgesetzte/r sind dringend aufgefordert, Ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden, denn Taten sagen meist mehr als tausend Worte.

Micromanagement

Viele Arbeitnehmer wünschen sich Gestaltungsfreiraum und Eigenverantwortung im Rahmen ihrer Arbeitstätigkeit. Einer grossen Anzahl an Vorgesetzten scheint es gemäss den uns vorliegenden Rückmeldungen aber schwer zu fallen, ihren Mitarbeitenden diese zu gewähren und Verantwortung abzugeben. Micromanagement und Kontrolle sind auf dem Vormarsch und weit verbreitet. Leider wird dies von den betroffenen Vorgesetzten aber oftmals nicht so wahrgenommen. Dem Wunsch nach mehr Autonomie auf Mitarbeiterseite sollte, wo die Voraussetzungen dafür erfüllt sind, öfters stattgeben werden. Viele Unternehmen suchen nach eigenverantwortlichen Mitarbeitenden. Damit sie diese gewinnen und halten können, müssen sie ihnen aber auch Handlungsspielraum gewähren.

Mein Tipp: Überprüfen Sie Ihren heutigen Führungsstil und reflektieren Sie selbstkritisch, wie viel Micromanagement Sie betreiben. Versuchen Sie in kleinen Schritten, mehr Verantwortung an Ihre Mitarbeitenden abzugeben ganz nach dem Motto: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Schnelllebigkeit

Die heutige Wirtschaftswelt ist ständig im Wandel und geprägt von Reorganisationen, Fusionen, Über-nahmen etc. Tendenz zunehmend. Viele Arbeitnehmer empfinden diese Entwicklung als alarmierend. Arbeitsplatzsicherheit bzw. -verlust sind zu zentralen Themen geworden. Was heute von Unter-nehmensführern gesagt wird, hat morgen bereits keine Gültigkeit mehr. Eine gewisse Stabilität ist aber ein Grundbedürfnis von uns Menschen. Fehlt diese, sind die Langzeitfolgen für eine Gesellschaft schwer abzuschätzen. Von Managern, Wirtschaftsführern und Politikern dürfen diese Konsequenzen nicht unterschätzt werden.

Wir sind alle aufgefordert, wachsam zu bleiben und unseren Bedürfnissen Gehör zu verschaffen.