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Authentizität ist das Keyword der digitalen Information

By Maya Töpperwien, Oktober 2021

Am 6. Oktober 2021 fand unser traditioneller HR-Apéro nun bereits zum zweiten Mal virtuell statt. Unser Thema dabei: «Worst and Best Practices im HR», zusammen mit Florian Schrodt, Leiter Personalmarketing bei den Verkehrsbetrieben Zürich. Einige Eindrücke.

Florian Schrodt ist Experte seines Fachs: seit über 10 Jahren ist er in leitenden Positionen in PR, Kommunikation und HR tätig. Inzwischen prägt er das Personalmarketing der VBZ und setzt hier fleissig Projekte um – in den letzten 3 Jahren wurde unter ihm die Karriereseite neu aufgebaut, ein Chatbot integriert, um den näheren Kontakt zu Bewerbenden zu finden, und eine Content Community der VBZ kreiert. Zusätzlich ist er ein leidenschaftlicher Speaker, Autor und Berater.

Während des letzten Jahres rückte nun nochmals ein neues Thema in seinen Fokus: Wir befinden uns in einem extremen Wechsel – wie holt man dabei das Beste aus den Kandidatinnen und Kandidaten heraus?

Um mit den Teilnehmenden unseres Workshops eine Antwort auf seine Frage zu finden, stellte Florian Schrodt einige Thesen aus dem Cluetrain Manifest vor. Das Manifest enthält 95 Thesen über das Verhältnis zwischen Unternehmen und ihren Kunden im Zeitalter des Internets – und ist mit den Entwicklungen des letzten Jahres aktueller denn je.

Der Zeit zuliebe beschränkten wir uns auf drei Thesen, wobei Florian Schrodt diese mit humorösen Anekdoten aus der eigenen Erfahrung ausschmückte.

These 1:

Märkte sind Gespräche. Das Digitale baut auf Beziehungen auf.
Das Internet ermöglicht Gespräche zwischen Menschen, die im Zeitalter der Massenmedien unmöglich waren. Unternehmen, die nicht realisieren, dass ihre Märkte von Mensch zu Mensch vernetzt sind und sich in einem permanenten Gespräch befinden, verpassen ihre wichtigste Chance.

Florian Schrodt erzählte von den Zeiten vor dem digitalen Zeitalter – Wie Stellenanzeigen nach dem «Post and Pray»-Prinzip in der Zeitung gedruckt wurden und man darauf hoffte, die richtigen Kandidatinnen und Kandidaten würden sich schon melden. Das Digitale hingegen eröffnet die Chance auf ein Gespräch, eine Interaktion. Während im Analogen die Einweg-Kommunikation herrschte, können Bewerbende im Digitalen direkt Feedback geben, Kontakte einfacher pflegen und Beziehungen leichter aufbauen.

Dabei ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass Beziehungspflege hauptsächlich vor der eigenen Haustür stattfindet. Im Digitalen kommt so der Karriereseite eines Unternehmens eine besonders hohe Bedeutung zu.

Unsere Teilnehmenden, die in Kleingruppen über die Thesen diskutierten, fügten dabei hinzu, dass sie im digitalen Zeitalter Dynamiken besser spüren können, neue Arten von Dialogen auftreten und das persönliche Commitment in das Zentrum gerückt ist. Alles in allem sind die Berichte positiv, man kann auch virtuell miteinander lachen. So machten auch wir das!

Doch das Digitale schafft nicht nur andere Beziehungen, sondern es verändert auch, wie wir mit Informationen umgehen. Nämlich:

These 2:

Die Informationshoheit wandelt sich. Digitalisierung schafft Selbstbestimmung.
Wenn «wir» nicht gerade eure «Zielgruppe» sind, sind viele von uns eure Mitarbeiter. Wir würden lieber mit «Freunden» im Netz reden, als auf die Stechuhr zu schauen. Das würde euren Namen schneller bekannt machen als jede noch so schicke Website. Aber «ihr» sagt uns, dass das Gespräch mit dem Markt die Sache des Marketings ist.

Florian Schrodt startete hierzu mit einer provokativen Frage: Hat das HR diese Veränderung bis jetzt überhaupt verstanden? Dabei wäre es ganz einfach: Menschen wollen die Informationen, welche sie benötigen, auch finden. Und das bestenfalls bei Quellen, welchen sie vertrauen.

Er stützte sich dabei auf Zahlen und Fakten, erklärte uns, dass 76% der Menschen Inhalten eher vertrauen, wenn diese von Menschen und nicht von Marken erstellt wurden. Sofort fiel in der Diskussionsrunde das Stichwort Authentizität. Wer heute als Marke nicht authentisch erscheint, hat auf dem Markt nichts verloren. Dabei differenzierten unsere Teilnehmenden auch «übertriebene Authentizität» – nicht jeder Mitarbeitende einer Firma muss 2x täglich alles auf LinkedIn teilen, was er als spannend empfindet.

Dennoch ist der Tenor eindeutig: Authentizität ist das Keyword der digitalen Information. Dabei kann diese im Gegensatz zum analogen Zeitalter auch nicht mehr vorgetäuscht werden. Mitarbeitende, Bewerbende und Kandidat*innen, alle können auf Bewertungsplattformen wie Kununu und Co. ihre Erfahrungen und Meinungen teilen. Obwohl dies auch Nachteile haben kann, man beachte die Klassiker namens Fake News und Fake Reviews, waren sich unsere Teilnehmenden einig, dass die Informationshoheit einen Druck auf Unternehmen auslöst, welcher die Bewegung in die richtige Richtung fördert.

Unsere letzte Diskussionsgruppe wandte sich dann der 3. These zu:

Digitalisierung findet nicht mittels Tools statt, sondern zwischen Menschen.
Die Unternehmen müssen heruntersteigen von ihren Elfenbeintürmen und mit den Menschen reden, mit denen sie Beziehungen aufbauen wollen.

Hier erzählte Florian Schrodt von einem Tool, welches für die VBZ im letzten Jahr eine enorme Relevanz bewiesen hat: der Chatbot. Wie bei vielen Unternehmen war der Wechsel ins Homeoffice auch bei ihnen anfangs holprig. Eine Trampiloten-Ausbildung im Homeoffice? Undenkbar. Die Sorgen und Fragen bei den Mitarbeitenden sowie Bewerbenden waren endlos.

Durch den Chatbot konnten viele Bedürfnisse erfüllt werden. Das Motto dabei: Man solle Tools aus der Perspektive der Menschen bauen. Der Chatbot lieferte mehr, bessere und relevantere Kommunikation, und so schaffte es die VBZ, den Mitarbeitenden und Bewerbenden Sicherheit zu schenken.

Unsere Teilnehmenden waren sich einig: Die Kommunikation mit digitalen Tools verändert sich, bringt aber auch Vorteile. Es wurden Best Practices ausgetauscht, wie man spontan einem Kandidaten mehr Rückmeldung geben konnte, weil dafür kein Sitzungszimmer gebucht werden musste, sondern einfach ein Video-Call durchgeführt werden konnte. Oder wie man nun virtuelle Kaffee-Pausen durchführt, vielleicht auch mal mit einer Kandidatin.

Fazit: Kommunikation ist keine Einbahnstrasse mehr und soll relevant sein. Die Empfänger*innen werden es Ihnen verdanken!

Auch wir sind dir dankbar, lieber Florian, für einen wundervollen gemeinsamen Workshop. Du hast bewiesen, dass du Master deiner Branche bist, und dies mit viel Humor und Lachen. Der Abend mit dir war aufschlussreich, lehrreich, interessant, witzig.

Wir danken dir von Herzen und wünschen dir weiterhin nur das Beste!

Haben Sie noch Gedankenanstösse zu den Worst and Best Practices im HR, welche bei unserem Apéro vergessen gegangen sind? Schreiben Sie sie in einem Kommentar.

Join the discussion 2 Comments

  • Cooler Beitrag Danke.
    Was natürlich auch gebraucht wird ist die notwendigen Ressourcen oder diese dank Prioritätssetzung erhalten.
    Bewertungsplattformen wie Kununu sind für grössere Unternehmen sicherlich interessant doch für einen KMU wohl eher weniger, da zu wenig Bewertungen vorhanden sein werden.
    Authentizität ist gut, wenn es das Unternehmen erlaubt…. manchmal geht das wohl kaum.
    Schönes Weekend
    Urs
    drkpi CyTRAP

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