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«Für eine gerechte Welt braucht es keine Kategorien»

By Bernie Tewlin, September 2021

Jeder Mensch ist einzigartig und hat ein Recht auf Gleichbehandlung. Beurteilen wir die Gesellschaft weiterhin nach Hautfarbe, Geschlecht oder sexueller Orientierung, laufen wir Gefahr, uns in Debatten zu verlieren und die Chance unserer Zeit zu verpassen.

Zugegeben, ich habe den Überblick verloren. Verschiedenste Bewegungen proklamieren die Ungerechtigkeit. Im Fokus stehen anspruchsvolle und heikle Themen wie Rassismus, Diskriminierung und Sexismus – nicht einmal die sexuelle Orientierung wird verschont. Alle haben sie eines gemein: Die Menschen wollen gleichbehandelt werden. Sie wünschen sich Fairness, Verständnis für ihre Anliegen und Toleranz. Was bitte soll daran falsch sein?

Wer wir sind ist zu einem grossen Teil Zufall

Aufgrund seiner Genetik wird der Mensch unterschiedlich geboren. Je nach Umweltfaktoren bildet sich der Charakter individuell, vieles unterliegt dem Zufall. Ergo können wir zu einem grossen Teil nichts dafür, in welchem Umfeld wir aufwachsen, ob wir das gleiche Geschlecht lieben und was wir sehen, wenn wir in den Spiegel blicken. Und doch lieben wir sie: die Kategorien und Schubladisierungen. Wir denken gerne in Schwarz und Weiss, in Mann und Frau, in Nationalitäten, Hetero- und Homosexuellen. Weshalb?

Gruppierungen führen zur Abgrenzung

Schaffen wir mit Begriffen Gruppierungen, können wir uns positionieren und von anderen unterscheiden. Es schärft unsere eigene Identität. Leider führt diese Praktik aber auch zur Abgrenzung. Was nicht der persönlichen Norm entspricht, ist uns fremd und «was der Bauer nicht kennt, frisst er bekanntlich nicht». Verfolgen wir weiterhin diese Taktik, ist es schwierig, anderen die gleichen Rechte einzugestehen, weil wir damit auch immer unsere eigene Gruppe schwächen. Wie würde folglich eine Welt aussehen, in welcher wir auf diese Kategorisierung der Menschen verzichten?

Jeder leistet einen Beitrag zu unserer Gesellschaft

Wenn wir unsere Wurzeln verstehen und akzeptieren, dass der Mensch divers ist, wären wir der Gleichbehandlung einen grossen Schritt näher. Wir könnten auf geschlechtliche Rollen, auf Definition von Rassen und sozialem Geschlecht verzichten, weil wir alle auf ganz persönliche Art und Weise einen Beitrag zum Bestehen unserer Gesellschaft leisten. Die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft scheint dies bereits erkannt zu haben. Hierzu einen kurzen Auszug aus Artikel 8:

Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebens­form, der religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung.

Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre rechtliche und tat­sächliche Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit. Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.

Erstaunlich, oder nicht? Was total logisch klingt und nur schwierig angefochten werden kann, wird ganz offensichtlich nicht vorgelebt. Anders sind die aktuellen Bewegungen nicht zu verstehen.

Ihr Handeln ist gefragt

Wenn uns die Gleichbehandlung aller Menschen am Herzen liegt, müssen wir uns selbst hinterfragen und zu Vorbildern unserer Zeit werden. Wir müssen uns gegenüber dem Fremden und Divergenten öffnen und für die Gerechtigkeit kämpfen. Meiner Meinung nach braucht es dazu nicht zwingend Bewegungen, Gruppierungen oder Begriffe, sondern vielmehr das mutige Handeln im persönlichen Umfeld. Gerne gebe ich Ihnen dazu eine kurze Anleitung mit auf den Weg (selbstverständlich dürfen sie diese speichern, ausdrucken, ausschneiden, unter das Kopfkissen legen oder sich hinter beide Ohren schreiben):

  1. Akzeptieren Sie, dass alle Menschen gleich viel wert sind
  2. Behandeln Sie andere so, wie Sie es selbst gerne hätten
  3. Halten Sie den Schaden für Ihre Mitmenschen und die Umwelt so gering wie möglich
  4. Seien Sie offen und respektvoll gegenüber anderen
  5. Verurteilen Sie niemanden nur weil Ihre Meinung nicht geteilt wird
  6. Setzen Sie sich persönlich mit Ihrem Handeln für eine fairere und gerechtere Welt ein

Ihre persönliche Meinung interessiert uns. Was sind Ihre Gedanken zur Gleichberechtigung? Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

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