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Der Sinn und Zweck eines Bewerbungsgesprächs ist es ja, sich dem Gegenüber als adäquate Wahl für die zu besetzende Position zu präsentieren. Ihre Erfahrungen und Fähigkeiten kumulieren Sie ein Leben lang – das kann Ihnen auch niemand nehmen. Aber unterschätzen Sie nicht die Macht der Kleidung: richtig eingesetzt unterstützt sie Ihren persönlichen Brand. Falsch eingesetzt kann sie Ihrem Image und somit auch Ihrem Marktwert schaden.

Der viel zitierte erste Eindruck brandmarkt innert Mikrosekunden wie wir die Persönlichkeit unseres Gegenübers wahrnehmen. Und wenn das Gegenüber sich kaum auf den Inhalt des Gesprächs konzentrieren kann, weil die äussere Erscheinung irritiert, dann tut sich hier niemand einen Gefallen.

Das heisst natürlich nicht, dass Sie jegliche Individualität an den Garderobenhaken hängen sollen – ich bitte Sie lediglich, es nicht zuzulassen, dass Ihre Kleidung Ihrer Persönlichkeit die Show stiehlt. Seien Sie sich bewusst, dass «was» Sie «wann», «wie» und «wo» tragen, sehr viel über Sie aussagt und nutzen Sie dieses Wissen um selber zu bestimmen, welche Aussage Sie machen möchten. Stellen Sie sicher, dass diese Aussage zu Ihnen passt. Nicht nur beim Vorstellungsgespräch.

Nachfolgend ein paar Kostproben modischer Aussagen, die im Business-Kontext Fragen aufwerfen:

 

Der «Tinder-Look»

Leider gibt es immer wieder Damen die glauben, ihr einziges Argument seien ihre weiblichen Reize. Mit denen wird dann auch nicht gespart: das halbtransparente Spitzenkleid mit abgrundtiefem Ausschnitt und schwindelerregend hohem Rocksaum kombiniert mit Nachtclub-Stilettos. Wenn das einzige, was sie zu sagen haben «hahaha und hihihi» ist, dann ändern Sie bitte nichts an ihrem Outfit und nutzen Sie es um auf Tinder zu punkten. Für alle anderen ist es einfach nur unprofessionell und traurig sich selber auf seine Geschlechtsteile zu reduzieren.

Das gilt übrigens auch für Männer. Kein Mann wirkt souverän, wenn er sich breitbeinig, mit Goldketteli überm Brusthaar oder Krawatte im Schritt baumelnd auf die Brust klopft. Und auch, wenn es solche Exemplare sogar in westlichen Demokratien gelegentlich erstaunlich weit bringen, betrachten Sie es bitte so: «keiner ist so schlecht, dass man ihn nicht mindestens als schlechtes Beispiel brauchen kann.»

 

Der Individualist

Die einfachste und offensichtlichste Art als Individualist erkannt zu werden, ist, sich durch Äusserlichkeiten von der Masse zu distanzieren. Künstler, Kreative und Individualisten legen sich gerne eine Statement-Frisur zu. Beispielsweise war die Hahrpracht des jungen Sir Richard Branson einiges konformer als seine heutige Löwenmähne. Hat er sich diese wachsen lassen um sein Image als furchtloser Entrepreneur zu unterstreichen? Gut möglich.

Im Positiven attestiert man dem Individualisten eigenständiges und scharfsinniges Denken und damit einhergehend auch Zivilcourage. Wirkt jemand allerdings so, als wolle er um jeden Preis anders sein, impliziert dies Eigensinnigkeit und geringe Teamfähigkeit.

Also, wenn Sie das nächste Mal beim Coiffeur sitzen und unbändige Lust auf Veränderungen haben, dann überlegen Sie sich einfach, was Ihr Hairstyle über Sie aussagen soll und entscheiden Sie sich erst dann für die grünen Strähnen, die 80er-Jahre-Fussballerfrisur oder den Männerdutt.

Ebenfalls ein oft heikles Thema ist sichtbarer Körperschmuck. Für viele Menschen haben Tattoos und Piercings noch immer etwas leicht Anrüchiges oder Rebellisches. Dass der Geschäftsführer eines Pubs bis zum Hals tättowiert ist, quittiert man vielleicht noch mit einem Schulterzucken. In anderen Branchen ist auffälliger Körperschmuck hingegen ein Karrierekiller und verbaut einem den Zugang zu den meisten Hierarchiestufen. Falls Sie nicht sicher sind, wie der zukünftige Arbeitgeber auf Ihr Oberarmtattoo oder Zungenpiercing reagieren würde, empfehlen wir Ihnen, das Thema proaktiv anzusprechen. Und wenn die optische Darstellung Ihrer Persönlichkeit partout nicht zur Corporate Visual Identity des potentiellen Arbeitgebers passen will, dann ist es vielleicht wie bei der Partnerwahl: bloss weil zwei hübsch aussehen, heisst es noch nicht, dass sie auch zusammen passen. Freuen Sie sich über diese Erkenntnis und suchen sich einen Arbeitsplatz an dem Sie sich wohl fühlen in Ihrer Haut und nicht das Gefühl haben, einen Teil Ihrer Persönlichkeit verleugnen zu müssen.

Das Fashion Victim und Anzüge, die aussehen wie Designer-Pyjamas

Der Modedesigner Gianni Versace sagte: «Wenn eine Frau ihr Aussehen von Saison zu Saison zu stark verändert, dann ist sie der Mode zum Opfer gefallen». Machen Sie diesen Fehler nicht. Seien Sie sich selbst und kein «Fashion Victim». Man könnte sonst leicht den Eindruck gewinnen, dass Sie auch in anderen Bereichen des Lebens flatterhaft sind wie die Fahne im Wind. Im Business aber möchte man wissen, mit wem man es zu tun hat. Da geht es um Beständigkeit in der Arbeit und bei den Wertvorstellungen.

Nun, wie erkennt man ein «Fashion Victim»? Weit verbreitet sind die Label-Maniacs. Also Menschen, die alles tragen so lange es vom richtigen Brand ist. Und wenn es vom richtigen Brand ist, dann muss es ja gut sein! Stimmt natürlich nicht: denn Badelatschen sind und bleiben Badelatschen auch wenn sie gekrönt sind mit einem übergrossen Logo von Gucci, Prada oder Chanel. Und zur Erinnerung: dieses Schuhwerk gehört an den Strand und nicht ins Büro.

Natürlich gibt es auch männliche Modeopfer aber die Gefahrenzone für Männer ist diesbezüglich viel kleiner als die für Frauen. Dies weil das Interesse an Mode bei Männern meist bedeutend geringer ist als bei Frauen. Hinzu kommt, dass die Herrengarderobe schon von Haus aus weniger Freiheiten bietet. Und weniger Freiheit bedeutet auch weniger Möglichkeiten, völlig daneben zu hauen.

Sie gehören zu den modeinteressierten Herren, sind sich aber nicht sicher, ob Sie über ein laserscharfes Stilbewusstsein verfügen? Hier mein Tipp für Sie: Lassen Sie niemals mehr als zwei Farben und ein Muster in Ihr Outfit. Denn Karo im Quadrat lässt Sie schnell aussehen wie der lustige Onkel. Und die Kurzarmhemden, die irgendwann mal Mode waren, schenken Sie bitte der Wohlfahrt.

Anzüge, die aussehen wie Designer-Pyjamas sind übrigens in den meisten Branchen auch fehl am Platz. Lassen Sie mich kurz erklären, was ich meine: Das Designer-Pyjama ist ein Zweiteiler aus gerade geschnittener Hose und jackenähnlichem Oberteil. Meist ist es farbenfroh und zeichnet sich aus durch einen kreativen Print, der sich über das ganze Kleidungsstück hinweg repetiert. Zum Beispiel: Pink Flamingos auf türkisblauem Untergrund. Dieser extravagante Zweiteiler erfreut sich besonders bei Frauen mittleren Alters hoher Beliebtheit.

Was wollen diese Damen bloss damit sagen? Vielleicht einfach, dass sie es sich leisten können, sinnlos viel Geld für den vermeintlich letzten Schrei auszugeben? Persönlich erinnert mich so ein Outfit immer ein wenig an die Einweihung des neuen Gotthard-Tunnels: Doris Leuthard war im löchrigen, weissen Designeranzug aufgetreten. Es war ein historischer Moment für die Schweiz und Europa. Erinnern tu ich mich aber nicht an die Worte der Alt-Bundesrätin denn das irritierende Outfit hat alles, was wirklich zählt, in den Schatten gestellt.

Der «mir-doch-egal-Look»

Im krassen Kontrast zum Individualisten und den Exemplaren im «Tinder-Look» stehen Personen, die mit ihrem Äusseren schon fast stur nichts zu tun haben wollen. Ja, wir alle mögen es bequem. Und ich kenne auch niemanden, der gerne bügelt oder Schuhe poliert. Das ist aber noch lange keine Entschuldigung dafür, herumzulaufen als würde man sich einen Deut scheren. Eine Randbemerkung an die Herren: nur weil die Schuhe so weit unten sind, heisst das noch lange nicht, dass man sie nicht sieht. Ausgelatschte Turnschuhe oder klumpige Outdoorschuhe gehören in die Freizeit und nicht zu einem Anzug.

Auch wenn Sie noch so brillant sind auf Ihrem Gebiet, machen Sie es ihrem Gegenüber nicht so schwer, Ihnen das auch zu glauben. Ungepflegte oder nicht passende Kleidung impliziert leider auch einen nachlässigen Arbeitsstil.

Anhänger des «mir-doch-egal-Looks» beteuern immer wieder, dass sie sich dann schon anständig anziehen, wenn sie für ein wichtiges Meeting gerufen werden. Diese Aussage macht klar, dass sie einfach nicht parat sind für die heutige dynamische Arbeitswelt in der es gilt (auch optisch) allzeit bereit zu sein und Chancen zu packen wenn sie sich ergeben. Unterschätzen Sie auch nicht, welche Wirkung Ihr äusseres Erscheinungsbild auf Ihre Kollegen hat und was das für Ihr berufliches Weiterkommen bedeutet.

Der authentische Businesslook

Das Motto für alle, die im Job etwas erreichen wollen lautet: «If you want to do business, dress like business!». Damit Sie sich in Ihrem Businessoutfit wohl und nicht verkleidet fühlen, muss die Kleidung zum einen von der Grösse her perfekt passen und in einwandfreiem Zustand sein. Also gebügelt und ohne Flecken und Löcher. Zum anderen, und das ist der schwierige Teil, muss die Kleidung zu Ihrer Persönlichkeit passen.

Bevor Sie nun wild drauflos Shoppen und sich in Warenhäusern für viel Geld neu einkleiden lassen, lehnen Sie sich erst mal zurück und stellen sich die entscheidende Frage (beraten Sie sich ruhig auch mit Freunden): «Welche drei Eigenschaften beschreiben meinen Charakter am besten?» Wenn die Beschreibung Ihrer Persönlichkeit zum Beispiel so lautet: «direkt», «analytisch» und «kreativ» dann prüfen Sie alles, was Sie in nächster Zeit anziehen, ob es gleichzeitig allen drei von Ihnen gewählten Adjektiven gerecht wird. Sie werden sehen, dass Ihnen diese Prüfung gute Dienste erweisen wird.

Hier noch ein Anschauungsbeispiel wie Sie als oben beschriebene direkte, analytische und kreative Persönlichkeit Ihr Outfit zusammenstellen können: Damen wählen als Basis eine geradlinige dunkle Anzughose, die Ihre analytische und direkte Art repräsentiert. Den kreativen Akzent setzen Sie zum Beispiel mit einer verspielten Bluse. Herren ergänzen den klassischen Anzug zum Beispiel mit einem schönen Hemd, mit interessanten Details (farbige Knöpfe, Struktur im Stoff). Schmuck, Uhren, Schuhe und Taschen eigenen sich auch gut um dem Outfit einen Touch in die eine oder andere Richtung zu geben. Aber Achtung: weniger ist definitiv mehr!