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Darauf achten Recruiting-Profis bei der Personalauswahl

By Pamela Wolf,  August 2022

Wie wählen Headhunter die richtige Person für eine Stelle aus? Wir haben bei den Recruiting-Profis unseres Teams nachgefragt. Hier sind ihre gesammelten Antworten – und basierend darauf sechs konkrete Tipps für Kandidatinnen und Kandidaten.

Welches sind für dich die wichtigsten Fragen beim Auswahlprozess?

 

Thomas A. Biland: Ich will in einem Gespräch einen Menschen kennenlernen und gehe ohne Checkliste ins Gespräch. Dabei stelle ich diverse Fragen – zu Motivation, Verfügbarkeit, Berufserfahrung … und hinterfrage. Dabei ist mir Authentizität und «being humble» wichtig und dass jemand Selbstreflexion zeigt. Hier eine ganz kleine Auswahl:

  • Warum möchten Sie Ihre Stelle wechseln – was ist die Motivation?
  • Wie gehen Sie mit Druck und Stress um?
  • Welches Feedback haben Sie von Vorgesetzten und Peers schon mehrmals gehört?
  • Wie kann ich Sie auf die Palme bringen – womit haben Sie Mühe?

Oder dann durchaus auch einmal unkonventionell – je nach Situation:

  • Was nervt Ihre Partnerin oder Ihren Partner an Ihnen? Was würde er oder sie dazu sagen? Was würden Sie zu sich selbst im Spiegel sagen?
  • Was würden Sie tun, wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden?

Sabine Biland-Weckherlin: Selbstverständlich ist jedes Gespräch individuell. Folgende Fragen sind aber meistens dabei:

  • Woher kommen Sie, wohin wollen Sie?
  • Was ist Ihnen ganz wichtig bei Ihrer nächsten Stelle?
  • Worauf würden Sie zukünftig gerne verzichten?
  • Was reizt Sie an dieser Stelle, wo sind allfällige Stolpersteine?
  • Wie beschreiben Sie sich selber?

Bernie Tewlin: Im Interview ist für mich der Mix aus Persönlichkeit und Werdegang zentral. Deshalb drehen sich meine Fragen darum, was den Menschen antreibt, was sie:er sich für ein Umfeld wünscht und wie die Weiterentwicklung geplant ist. Ganz wichtig sind auch die persönlichen Werte: Passen diese nicht zur Unternehmenskultur, wird es schwierig. Fachliches Know-how ist meist keine «Rocket Science» und kann in Teilen gelernt werden. Eine Auswahl:

  • Was treibt Sie beruflich an?
  • Wie sehen Sie Ihre persönliche Weiterentwicklung in den nächsten Jahren?
  • Was ist Ihnen wichtig im beruflichen Umfeld?

Jeanine Meili: Es ist immer ein Mix aus Fragen zu Vergangenheit, Zukunft und Persönlichkeit. Zum Beispiel:  

  • Was brauchen Sie, um Freude an Ihrem Job zu haben?
  • Was brauchen Sie von Ihrer oder Ihrem Vorgesetzten, um aus dem Vollen schöpfen zu können?
  • Was haben Sie bei Ihrer letzten Stelle vermisst?
  • Was macht Ihnen Freude im Leben?
  • Was ist Ihr Ausgleich zur Arbeit, woher holen Sie sich Ihre Energie?

 

Welche Rolle spielen Mimik und Gestik beim Gespräch? Wie ist das bei virtuellen Treffen?

 

Thomas A. Biland: Mimik und Gestik geben uns Informationen, die viel über eine Person aussagen können: Wie sitzt mein Gegenüber da? Legt die Person ihren Blazer ab? Haben wir Blickkontakt? Antwortet die Person spontan oder wägt sie jedes Wort ab? Kommt sie auf den Punkt oder macht sie mit ihren Antworten einen Galopp rund um die Stadt? Bei virtuellen Gesprächen ist die nonverbale Wahrnehmung nicht ganz so detailliert. Licht, Ton und technische Gegebenheiten können Schwierigkeiten bringen und das Bild verfälschen – im Positiven wie im Negativen.

Sabine Biland-Weckherlin: Mimik und Gestik zeigen etwas über die Präsenz der Person, über ihre Konzentrationsfähigkeit und ihre Ernsthaftigkeit. Lächeln, Augenkontakt und eine zugewandte Haltung finde ich sehr wichtig! Was mir auch auffällt, sind etwa nervöse Bewegungen, oder wenn sich jemand ständig die Haare glattstreicht. Im physischen Kontakt ist es leichter, nonverbale Signale zu erkennen und einzuordnen. Da sehen wir den Menschen mit seiner ganzen Ausstrahlung. Im virtuellen Kontakt sehen wir oft nicht einmal, wohin eine Person schaut.

Bernie Tewlin: Gemäss Statistik ist rund 93 Prozent der Kommunikation nonverbal. Durch die langjährige Interview-Erfahrung und den reichen Vergleichsfundus bemerkt man vieles in Gestik und Mimik . In virtuellen Gesprächen ist das schwieriger: Da nimmt man das Gegenüber meines Erachtens nur zu einem Teil wahr, unter anderem, weil manche Sinne wie etwa der Geruchssinn auf der Strecke bleiben.

Jeanine Meili: Bei Gestik und Mimik achte ich vor allem auf Auffälligkeiten und Gesten, die häufig wiederholt werden. Bei virtuellen Meetings ist nonverbale Kommunikation genauso wichtig, aber schwieriger wahrzunehmen.

 

Welches sind die grössten vermeidbaren Patzer?

 

Thomas A. Biland: Das grösste No-Go ist für mich, wenn eine Kandidatin oder ein Kandidat unvorbereitet ist, sich nicht überlegt hat, warum sie oder er zu der Stelle passt und Fragen stellt, die sich anhand des Stellenprofils und der Website einfach beantworten lassen. Ebenfalls achte ich darauf, ob mein Gegenüber ein ehrliches Interesse an der Stelle hat (und nicht bloss am Geld und an der Position), substantielle Fragen stellt, selbst auf Fragen klar antwortet, von den eigenen Fähigkeiten überzeugt ist, sich selbst reflektiert, mit Fokus bei der Sache ist und – ganz wichtig – Stift und Papier dabeihat.

Sabine Biland-Weckherlin: Mangelhafte Vorbereitung, keine Schreibunterlagen dabeihaben, keine Fragen stellen oder zu wenig Interesse zeigen sind absolute No-Go’s. Wichtig ist mir, dass mein Gegenüber mit offenen Karten spielt: Wenn für sie oder ihn beispielsweise nur eine Teilzeitstelle infrage kommt, dann muss ich das frühzeitig wissen. Und wenn sich die «fliessenden» Englischkenntnisse aus dem CV später als so gar nicht fliessend herausstellen, kommt das nicht gut an. Und ein kleines, aber wichtiges Detail: Das Gegenüber mit dem Namen ansprechen!

Bernie Tewlin: Mir ist es wichtig, dass sich Kandidatinnen und Kandidaten auf das Gespräch vorbereiten und authentisches Interesse zeigen. Zudem sollten sie das Positive hervorheben, sich nicht zu stark in den Mittelpunkt stellen und auf Fragen klar und möglichst zielgenau antworten. Schwierig wird es, wenn Bewerbende bewusst etwas verheimlichen oder erst beim Kunden mit der Sprache rausrücken.

Jeanine Meili: Dass Kandidatinnen und Kandidaten Fragen stellen, finde ich sehr wichtig. Wenn sich aber schon beim ersten Gespräch alle Fragen um Ferienregelungen, Überstundenabbau und Geld drehen, dann hinterlässt das bei mir keinen guten Eindruck. Weitere No-Gos sind Ungepflegtheit und zu wenig Vorbereitung auf das Gespräch.

 

Welche Rolle spielt das eigene Bauchgefühl bei der Auswahl?

 

Thomas A. Biland: Ich merke in der Regel oft in den ersten fünf Minuten, ob jemand infrage kommt oder nicht. Dieser erste Eindruck und das Bauchgefühl sind das A und O und muss selbstverständlich verifiziert  und hinterfragt werden. Dazu ist es wichtig, Fragen zu stellen – aus verschiedenen Blickwinkeln.

Sabine Biland-Weckherlin: Wir möchten herausfinden, wie unser Gegenüber ins Umfeld des Kunden passt. Hierfür ist das Bauchgefühl resp. eine gesunde Intuition, sehr wichtig. Es kann sich allerdings im Laufe eines Gesprächs von negativ zu positiv – und umgekehrt – ändern.

Bernie Tewlin: Eine entscheidende! Vorbereitete Interview-Fragen abzulesen ist keine Kunst. Das Bauchgefühl hilft mir aber dabei, die massgeblichen Nuancen wahrzunehmen und die zentralen Fragen zu stellen. Oft bestätigt eine objektive Analyse später das vorhandene Gefühl.

Jeanine Meili: Das Bauchgefühl spielt immer mit. Es ist mir aber wichtig, dieses Bauchgefühl und meinen ersten Eindruck während dem Gespräch auch auf die Probe zu stellen. Eine gute Connection zum eigenen Bauchgefühl ist auch für unsere Kunden wichtig, da sie die finale Entscheidung treffen.

 

Führst du Gespräche mit Kandidatinnen und Kandidaten lieber allein oder zu zweit?

 

Thomas A. Biland: Das spielt mir keine Rolle, beides hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil, wenn noch eine Kollegin oder ein Kollege dabei ist, ist die Diskussion und der Austausch danach. Wichtig ist mir, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, die Offenheit und Vertrauen bringt. Deshalb sitze ich Kandidatinnen oder Kandidaten zum Beispiel nicht gern frontal gegenüber, sondern lieber auf einer Polstergruppe und über Eck.

Sabine Biland-Weckherlin: Meist führe ich Gespräche lieber alleine, weil ich das persönlicher finde. Ab und zu finde ich es auch wichtig, dass wir zu zweit sind, vor allem, wenn Unsicherheiten oder ein Störgefühl da sind. Die zweite Perspektive bringt noch mehr Objektivität und eine Absicherung nach dem Vier-Augen-Prinzip.

Bernie Tewlin: Allein. Ich kann mich so am besten auf den Menschen einlassen, eine angenehme Atmosphäre schaffen und das Gespräch offen gestalten.

Jeanine Meili: Allein. Es sollte kein Verhör sein. Vor allem bei einem Erstgespräch kann es unnötigen Druck auslösen, wenn eine Kandidatin oder ein Kandidat zwei Recruitern gegenübersitzt. Erstgespräche führe ich daher immer allein.

In Kürze: 6 Tipps für Kandidatinnen und Kandidaten

Was bedeutet das konkret für Kandidatinnen und Kandidaten? Hier sind sechs Punkte, die unseren Recruiting-Profis besonders wichtig sind:

·        Vorbereitung. Überlegen Sie sich, welche Fragen Ihnen Ihr Gegenüber stellen könnte, informieren Sie sich über Ihren potenziellen zukünftigen Arbeitgeber und bereiten Sie fundierte inhaltliche Fragen vor.

·        Auftritt. Ihr Gegenüber möchte Sie kennenlernen und einschätzen können. Zeigen Sie ihm möglichst authentisch, wer Sie sind.

·        Klarheit. Antworten Sie spontan, präzis und ohne Umschweife auf Fragen.

·        Transparenz. Spielen Sie mit offenen Karten. Teilen Sie Ihre Wünsche und Verfügbarkeiten ehrlich und frühzeitig mit.

·        Präsenz. Achten Sie darauf, dass Sie mit Fokus bei der Sache sind, zeigen Sie ehrliches Interesse, hören Sie gut zu und nehmen Sie Stift und Papier zum Gespräch mit.

·        Erscheinungsbild. Achten Sie auf passende Kleidung und gehen Sie sparsam mit Parfüm, Schmuck und Make-up um.

Wir hoffen, dass wir Bewerbenden und anderen Interessierten mit diesem Beitrag einen Einblick in unsere Arbeits- und Denkweise geben konnten und wünschen viel Erfolg!

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