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Gesünder, glücklicher, produktiver: Helfen Sie Ihren Mitarbeitenden, das Gleichgewicht zu halten

By Daniela Steiner,  Juni 2022

Die richtige Balance zwischen allen Lebensbereichen ist Grundvoraussetzung dafür, dass Mitarbeitende gesund bleiben, produktiv arbeiten und mit Begeisterung bei der Sache sind. Deshalb sollten Unternehmen eine Kultur schaffen, in der es Mitarbeitenden leichtfällt, im Gleichgewicht zu bleiben. Sechs Fragen können Sie dabei unterstützen.

Homeoffice, Teilzeitarbeit, freie Zeiteinteilung und zunehmende Erreichbarkeit auch ausserhalb von Geschäftszeiten: Die Linien zwischen Berufs- und Privatleben werden immer fliessender. Das sorgt nicht nur für eine bessere Vereinbarkeit verschiedener Lebensbereiche, sondern stellt sowohl Unternehmen als auch Mitarbeitende vor Herausforderungen.

Führungskräfte tun gut daran, eine Unternehmens- und Teamkultur zu schaffen, die eine gesunde «Work-Life-Balance» fördert. Denn wer im Gleichgewicht ist, arbeitet produktiver, ist gesünder und setzt sich mit mehr Freude für die gemeinsame Sache ein.

Wobei die Bezeichnung «Work-Life-Balance» eigentlich veraltet ist: Die Zeiten, in denen man eindeutig zwischen «Work» und «Life» unterscheiden konnte, sind ja bekanntlich vorbei. Ausserdem suggeriert der Begriff, dass es auf der einen Seite einer durchgezogenen Linie das Leben und auf der anderen Seite die Arbeit gibt, die ausserhalb des Lebens stattfindet.

Neue Begriffe stehen schon in den Startlöchern, um an die Stelle der «Work-Life-Balance» zu treten: Beim «Work-Life-Blending» soll der fliessende Übergang zwischen Arbeits- und Privatleben Mitarbeitenden ermöglichen, flexibel auf private Umstände zu reagieren, selbstbestimmt zu arbeiten und damit produktiver zu sein. Bei der «Work-Life-Integration» geht es darum, Arbeits- und Privatleben nicht voneinander zu trennen, sondern miteinander zu vereinbaren – und Arbeitszeit gleichzeitig effektiv zu nutzen und den individuellen Bedürfnissen anzupassen. Die Umsetzung von beiden Konzepten sieht ähnlich aus: Zum Beispiel morgens die Kinder zur Schule bringen, dann einige Stunden arbeiten, zwischendurch Sport treiben und abends nochmal ein paar Stunden am Laptop arbeiten. Oder vier Wochen Traumaufenthalt auf den Balearen buchen und zwischendurch einzelne Arbeiten vom Laptop aus erledigen.

Doch auch beim Work-Life-Blending und bei der Work-Life-Integration braucht es Balance, um gesund, produktiv und glücklich zu bleiben. Wie wäre es also ganz simpel mit dem Begriff «Life-Balance»? Der ist nicht unsere Erfindung, aber wir finden ihn passend: Schliesslich geht es darum, die verschiedenen Bereiche des Lebens in Balance zu halten – und die Arbeit ist einer davon.

Führungskräfte können die Life-Balance ihrer Mitarbeitenden fördern, indem sie klare Strukturen schaffen und ihr Team beim Boundary Management unterstützen – also dabei, die verschwommenen Grenzen wieder deutlich (und eventuell an neuer Stelle) nachzuzeichnen. Diese sechs Fragen können Ihnen dabei helfen.

1. Wer ist wann verfügbar?

Wer immer erreichbar ist, ist irgendwann erschöpft. Treffen Sie deshalb mit Ihren Mitarbeitenden Vereinbarungen über Erreichbarkeiten. Zum Beispiel: Gibt es Tageszeiten, zu denen jede und jeder erreichbar sein soll? Wann sehen wir uns alle zusammen im Büro, um Fragen auf direktesten Wegen zu klären und den Teamgeist zu pflegen? Dürfen Mitarbeitende am Wochenende das Geschäftshandy ausschalten? Wie schnell müssen E-Mails beantwortet werden?

Definieren Sie auch, wann Sie und Ihr Team nicht mehr verfügbar sein müssen. Zum Beispiel: Keine Anrufe nach 19 Uhr. Halten Sie sich als Vorgesetzte/r unbedingt auch an diese Regeln, denn Sie nehmen eine wichtige Vorbildfunktion ein.

Wie kontaktieren wir einander?

E-Mail, Whatsapp, Slack, Zoom, Telefon, Brieftaube … Es gibt zahlreiche Kanäle, über die wir kommunizieren können. Das heisst aber nicht, dass wir dieses Potenzial im Arbeitsalltag voll ausschöpfen müssen oder sollen. Denn je mehr wir unsere Kommunikation auf verschiedene Kanäle verteilen, desto höher die Gefahr, dass wir uns verzetteln – und desto schwieriger das Boundary Management.

Definieren Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden, welche Kanäle Sie wofür nutzen wollen. Und: Definieren Sie auch, ob es Kanäle gibt, die Tabu sind – zum Beispiel das private Handy oder Nachrichten auf Whatsapp.

3. Wer macht was?

Auch klar definierte Strukturen punkto Aufgaben, Rollen und Verantwortungsbereiche helfen, wenn andere Grenzen die Konturen verlieren. Überdenken Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden auch diese Strukturen und passen Sie sie dort an, wo das notwendig ist.

Achten Sie darauf, dass Sie für alle Bereiche eine Stellvertretung haben und stellen Sie sicher, dass sich Ihre Mitarbeitenden für diese Stellvertretungsaufgaben gegenseitig schulen. Behalten Sie bei aller Strukturiertheit auch die Flexibilität, Strukturen neu anzupassen, wenn sich die Anforderungen oder Umstände ändern.

4. Was sind unsere ungeschriebenen Regeln?

Jedes Team und jedes Unternehmen hat eine Kultur, und zu jeder Kultur gehören (oft unausgesprochene) Regeln. Diese Regeln in Worte zu fassen, kann dabei helfen, Ihre Kultur sichtbarer zu machen. Und sie bringt möglicherweise Erlaubnisse zum Vorschein, die nicht allen bewusst waren. Das kann Mitarbeitenden ein ganz neues Gefühl von Freiheit geben und die Life-Balance einfacher machen. Idee: Erstellen Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden eine Liste mit den ganz individuellen Regeln Ihres Teams. Zum Beispiel:

  • Schwerer Kopf? Mach doch tagsüber zwischendurch einen Spaziergang.
  • 17 Uhr: Zeit, das Handy auszuschalten.
  • Auch dein Laptop hat eine Pause verdient: Lass ihn in den Ferien zu Hause.
  • Müde? Schliesse die Bürotür und mach ein 20-minütiges Power Nap.
  • Terminblocker für konzentriertes Arbeiten bedeuten: Bitte nicht stören.

5. Wie geht es meinen Mitarbeitenden?

Wer die eigenen Mitarbeitenden täglich im Büro sieht, bekommt schnell mit, wer entspannt und wer gestresst ist, wer sich langweilt und wer Unterstützung braucht. Wenn wir unsere Mitarbeitenden unregelmässig sehen, beispielsweise weil sie im Homeoffice, remote oder Teilzeit arbeiten, ist das herausfordernder. Auch deshalb ist es heute besonders wichtig, ehrliches Interesse am Menschen zu zeigen.

Fragen Sie nach, wie es Ihren Mitarbeitenden geht, hören Sie ihnen zu und stellen Sie Rückfragen. Sie können auch bewusst Räume schaffen für den informellen Austausch. Wenn Sie einen «Jour fixe» haben, an dem Ihr gesamtes Team anwesend ist, warum nicht auch gleich zusammen Mittagessen oder eine gemeinsame Kaffeepause einbauen?

6. Wie kann ich meine Mitarbeitenden unterstützen?

Selbstverständlich tragen nicht nur Führungskräfte die Verantwortung dafür, dass Mitarbeitende gesund bleiben und ihre Life-Balance halten. Der grösste Teil dieser Aufgabe liegt bei den Mitarbeitenden selbst. Sie als Vorgesetzte/r können aber Rahmenbedingungen schaffen und Ihren Mitarbeitenden Werkzeuge an die Hand geben, um diese Aufgabe zu meistern.

Machen Sie sich deshalb immer wieder bewusst Gedanken zum Thema Boundary Management sowie zu ihrer Team- und Unternehmenskultur. Eruieren Sie, was funktioniert und was nicht und fragen Sie Ihre Mitarbeitenden, was diese für ihre Life-Balance brauchen.

Wie unterstützen Sie Ihre Mitarbeitenden im Boundary Management? Lassen Sie es uns wissen in einem Kommentar.

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