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Jobsuche im digitalen Zeitalter – eine Anleitung in vier Schritten

By März 23, 2018 No Comments

In den letzten Jahren hat sich die Natur der Personalbeschaffung, nicht zuletzt aufgrund der Digitalisierung und Big Data, stark gewandelt. Diese Komponenten haben die Rekrutierungsprozesse fundamental verändert. Für die Stellensuchenden heisst es, sich diesen Veränderungen bewusst zu werden und den neuen Rekrutierungsstrategien anzupassen. Die klassische Art, sich auf ein ausgeschriebenes Inserat zu bewerben, ist heute nicht mehr die einzige Möglichkeit, eine neue Anstellung zu finden. Um alle Kanäle zu erschliessen, sollten Sie auch auf den Businessplattformen LinkedIn und Xing sichtbar sein.  Auf der anderen Seite ist für Recruiter der traditionelle „post-and-pray“-Ansatz, bei welchem darauf gehofft wird, dass sich der richtige Bewerber auf die ausgeschriebene Stelle bewirbt, vorbei. Talente werden heutzutage zusätzlich proaktiv von firmeninternen und externen Recruitern gesucht. Dank Business-Netzwerken und Datenanalysen sind in der heutigen digitalen Welt die Rollen vermehrt vertauscht: Nicht der Kandidat bewirbt sich beim Unternehmen, sondern das Unternehmen beim potenziellen neuen Mitarbeiter.

In Anbetracht dieser neuen Ausgangslage gilt es, einige Schritte zu beachten, um sich optimal zu positionieren und somit aktiv von Recruitern gefunden zu werden.

Eine Anleitung in vier Schritten.

1. Seien Sie auffindbar

Recruiter werden Sie online suchen, und natürlich möchten Sie gerne gefunden werden. Entsprechend ist es eine gute Idee, sicherzustellen, dass Ihre LinkedIn- und XING-Profile (erstellen Sie eines, wenn Sie noch keines haben) auf dem aktuellsten Stand sind und über Ihre Kompetenzen Auskunft geben. Hier ist es wichtig, dass Sie Ihre Profile harmonisieren. Seien Sie also darauf bedacht, dass Sie übereinstimmend dieselben Informationen auf allen relevanten Plattformen veröffentlichen. Falls Sie sich dazu entscheiden, Ihre Privatsphäre-Einstellungen so einzuschränken, dass man Sie nicht anschreiben kann, ist der Nutzen eines solchen Accounts eher fragwürdig. Als Benutzer von Social Media, Facebook oder Instagram prüfen Sie besser vorsichtig, wieviel Sie von Ihrem Privatleben preisgeben möchten.

2. Transparenter Auftritt gleich gewinnender Auftritt

Dies mag wohl nicht überraschend kommen, aber ist leider immer noch zu oft der Fall: unvollständige Profile. Wenn Sie sich entscheiden, ein Profil ohne Foto mit der knappen Angabe Ihres aktuellen Arbeitgebers und Ihrer Position zu erstellen, ist dieses leider wenig aussagekräftig. Sparen Sie sich in diesem Fall besser die Mühe, denn in Business-Netzwerken gilt der Leitzsatz „richtig oder gar nicht“. Ein freundliches und professionelles Foto, eine kurze Zusammenfassung über Sie selber und ein Beschrieb Ihrer bisherigen Stellen gibt stattdessen Aufschluss über Sie und Ihre Qualifikationen und kann von einem Personalberater klar zugeordnet werden. Anbei einige konkrete Tipps zu den obengenannten Stichworten:

Profilbild

Ein professionelles Profilbild ist bei der Online-Suche genauso wichtig wie bei der klassischen Bewerbung das Bewerbungsfoto. Durch das Foto erhalten Recruiter und HR-Manager nicht nur einen ersten Eindruck Ihrer Kandidatur, sondern behalten Sie gleichzeitig länger in Erinnerung.

Beschrieb bisheriger Stellen

Der Job-Titel alleine sagt oft nicht viel über das Stellenprofil aus. Beschreiben Sie hier stichwortartig die Projekte oder Tätigkeiten jeder Stelle Ihres Lebenslaufs. LinkedIn erlaubt Ihnen auch, Anhänge hochzuladen – nutzen Sie diese Gelegenheit, um an dieser Stelle zum Beispiel einen Bericht, der von Ihnen verfasst wurde, zu präsentieren.

Kurze Zusammenfassung

Sie sollte die Wichtigkeit dieser Funktion nicht unterschätzen, denn sie ist nebst Ihrem Namen und der aktuellen Position das Erste, was ein Profilbesucher sieht. Zusätzlich erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, in den Suchergebnissen eines Recruiters zu erscheinen. Mit den richtigen Schlüsselworten stellen Sie ausserdem sicher, dass Ihr Profil für die gewünschten Stellen gefunden wird. Sind Sie sich nicht sicher, welche Schlüsselwörter Sie verwenden sollen? Schauen Sie sich in einem solchen Fall die Stellenbeschreibungen Ihrer Traumposition an und notieren Sie sich die am häufigsten verwendeten Keywords.

3. Erstkontakt – Antwort erwünscht

Wenn Ihr Profil professionell und up-to-date ist, erhalten Sie vielleicht schon bald Ihre erste Anfrage. Eine seriöse Anfrage erkennen Sie an einer personifizierten und angepassten Ansprache mit Informationen zur Stelle, zum potentiellen Arbeitgeber und eventuell auch zu den Entwicklungsmöglichkeiten. Die Nachricht sollte mit einer klaren Aufforderung zur Kontaktaufnahme im Rahmen eines ersten Telefongesprächs oder einer schriftlichen Antwort enden.

Wir erleben oft, dass Kandidaten in Ihrer aktuellen Position „eigentlich glücklich“ und daher nicht wechselwillig sind. In der nächsten Zeile lesen wir aber, dass sie mehr Informationen zur Vakanz erhalten möchten. Dieser Widerspruch wiederspiegelt die opportunistische Haltung vieler Arbeitnehmer und bringt uns oft zum Stirnerunzeln. Bei solchen Aussagen ist die Ernsthaftigkeit eines möglichen Stellenwechsels zweifelhaft, da sie uns zweideutige Signale senden.

Wir sind uns bewusst, dass eine direkte Anfrage hinsichtlich einer beruflichen Veränderung eine Bedenkzeit voraussetzt. Jedoch ist eine Antwort in einem angemessenen Zeitrahmen von ungefähr einer Woche wünschenswert. Wenn sich manche Kandidaten erst Monate später zurückmelden, dann stellt sich die Frage über Sinn und Unsinn eines Social Media-Kontos. Ein solches nachlässiges Verhalten wirft ein schlechtes Licht auf Ihre Selbstorganisation und Ihre IT-Versiertheit. Natürlich gibt es auch Account-Inhaber, die schon gar nicht auf die Anfrage antworten, was einerseits eine Folge der herrschenden elektronischen Überflutung ist und andererseits etwas über den Anstand der jeweiligen Person aussagt.

Wichtig ist auch Ihr Auftreten. Arroganz und Überheblichkeit sind fehl am Platz. Der Recruiter steht hierarchisch weder über noch unter Ihnen, sondern ist Ihre Schnittstelle zu einem neuen und – im Idealfall –interessanten neuen Arbeitgeber. Er entscheidet, ob er Sie mit dem Unternehmen in Kontakt bringen will. Gewisse Berufsgattungen, wie Assistentinnen, begegnen uns mit einer offenen und freundlichen Haltung. Nicht zuletzt, weil sie sich geschmeichelt fühlen, dass ihr Profil und somit ihre Fähigkeiten im Markt positiv wahrgenommen werden.

4. Kontakt pflegen als Chance

Die Direktansprache von Recruitern zu potentiellen Bewerbern ist ein Dialog auf Augenhöhe. Häufig entstehen längerfristige Beziehungen zwischen Kandidaten und Unternehmen. Recruiter haben mit der Direktansprache nicht nur das Ziel, die offene Vakanz zu besetzen, sie streben auch danach, einen nachhaltigen Talent-Pool aufzubauen. Beantworten Sie daher solche Kontaktanfragen im längerfristigen Interesse, denn nur weil Sie vorerst kein Interesse an der spezifischen Position haben, oder es für Sie gerade nicht der richtige Zeitpunkt für einen Stellenwechsel ist, heisst dies noch nicht, dass sich dies zu einem späteren Zeitpunkt nicht ändern kann. Vernetzen Sie sich daher trotzdem. Im besten Fall resultiert aus jeder Ansprache ein neuer Kontakt auf Xing oder LinkedIn.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit hat sich auf dem Arbeitsmarkt einiges verändert, seit Sie das letzte Mal auf Stellensuche waren. Fachkräftemangel und Digitalisierung haben Personalverantwortliche dazu gezwungen, in der Rekrutierung neue Wege zu beschreiten. Der klare Vorteil für Aktiv- wie auch Passivsuchende ist der neue «find and engage»-Ansatz. Also die Kunst, sich als Kandidat so zu positionieren, dass Sie gefunden werden, anstatt sich für dutzende, wenn nicht gar hunderte von Stellen zu bewerben.