Recruiting

«Letztlich will der Kunde den besten Mann oder die beste Frau»

By Februar 1, 2015 No Comments

 

Alma (Alumni-Magazin der Universität St. Gallen) / von Roger Tinner
Im Gespräch zu Karriere und HSG-Netzwerk mit Thomas A. Biland

Die Dr. Thomas A. Biland Executive Search bezeichnet sich als «eine global tätige Boutique». Sie sieht es als ihre «Passion», «bestens qualifizierte Führungskräfte zu identifizieren, um bestehende Teams zu ergänzen und mit diesen zusammen Höchstleistungen zu erbringen». Ein Gespräch mit Thomas A. Biland, HSG-Alumnus und Inhaber des Unternehmens, zu seinem HSG-Bezug und zum Thema, ob das HSG-Netzwerk bei der Jobsuche nützlich sein kann.

Thomas A. Biland, wieso haben Sie für die Ausbildung die HSG ausgewählt?
Thomas Biland: Die HSG hatte einen guten Ruf, galt damals schon als praxisnah und auch die Internationalität gefiel mir.

Und wie verlief nachher Ihre beru iche Laufbahn?
Biland: Im Anschluss ans Studium promovierte ich bei Knut Bleicher zum Thema «Die Rolle des Verwaltungsrates im Prozess der strategischen Unternehmensführung» – dabei waren besonders die Interviews mit Schweizer Wirtschaftsgrössen spannend. Danach startete ich als Finanzchef eines international tätigen Unternehmens in der Textilindustrie, bevor ich erstmals als Berater im Executive Search tätig wurde. Aus bestimmten Gründen zog es mich jedoch wieder in die Linie in den Technologiebereich einer bekannten international tätigen Schweizer Industriegruppe, wo ich neben Aktivitäten in den Bereichen Venture Capital / Business Development wesentlich zur Restrukturierung beitragen konnte. 1993 übernahm ich die Funktion eines Geschäftsführers für die Schweizer Gesellschaft eines führenden Anbieters von Dienstleistungen in der Waschraumhygiene, bevor ich in das Gruppenmanagement einer international tätigen Engineering-Gruppe wechselte. Dort verantwortete ich den Geschäftsbereich Gebäudemanagement und Service. Später übernahm ich die unternehmerische Verantwortung für die Regionen Europa, Afrika und Asien.

Und wie kamen Sie zu Ihrem eigenen Unternehmen?
Biland: Nach den genannten Stationen stieg ich – nun älter und erfahrener – wiederum im Executive Search ein, wo ich weltweite Mandate auf Geschäftsleitungsebene abwickelte. Im Jahre 2005 gründete ich mein eigenes Unternehmen. Seither fokussiere ich mich auf die internationale Direktsuche von Führungskräften und Fachspezialisten – dies schwergewichtig in Industrie und Dienstleistung für internationale KMU. 2008 übernahm ich zusätzlich eine alteingesessene Personalberatung, die vorwiegend im deutschsprachigen Raum Executive Assistants, Führungskräfte und Fachspezialisten sucht und dabei den Inserateweg und zusätzlichen Research nutzt.

Was ist Ihnen von der HSG besonders gut in Erinnerung geblieben? Was weniger? Wie beurteilen Sie in der Rückschau den Praxisbezug der HSG?
Biland: Die HSG habe ich gut in Erinnerung. Sie hat mir nicht nur Wissen, sondern auch strukturiertes Arbeiten sowie die Art zu denken und zu analysieren beigebracht. Darüber hinaus habe ich viele Freundschaften geschlossen, und ich finde das HSG-Netzwerk sehr wertvoll. Generell waren die HSG-Jahre auch sonst sehr spannend. Der Praxisbezug war schon damals wertvoll, und ich war froh, in Praktika auch das «wirkliche Leben» zu spüren.

Welche Erkenntnisse aus dem Studium konnten Sie besonders gut im beruflichen Alltag brauchen?
Biland: Die Art, Probleme anzugehen, zu strukturieren und in Zusammenhängen zu denken sowie stufengerecht zu präsentieren.

Und wie sind Sie zu Ihrer heutigen Aufgabe als Unternehmer gekommen?
Biland: Ich wollte – auch schon aufgrund der familiären Erfahrung – immer selbständig sein. Zudem mag ich Menschen und realisierte irgendwann, dass auch das Bauchgefühl wichtig ist und ich dieses glücklicherweise habe und die Internationalität mir enorm wichtig ist. Letztlich waren es jedoch Zufälle, die mich zu meiner heutigen Tätigkeit führten und mir enorm Spass machen.

Was genau ist Ihr heutiges «Job-Pro l», was sind Ihre Aktivitäten?
Biland: Ich suche für international tätige Firmen auf exklusiver Mandatsbasis Führungskräfte und Fachspezialisten. Dabei sind etwa 50 Prozent meines Netzwerkes international und der Rest in der Schweiz. Ich habe zum Beispiel in Südamerika, den USA und vielen europäischen Ländern, aber auch in Asien gesucht und platziert.

Was sind Ihre konkreten Aufgaben im Unternehmen?
Biland: Executives zu identifizieren, sie anzusprechen und auf das Profil hin zu evaluieren und allenfalls zu präsentieren. Darüber hinaus führe ich meine beiden Firmen.

Was ist das Spannendste an Ihrer Funktion?
Biland: Der Kontakt zu vielen interessanten, unterschiedlichen Menschen – faszinierenden und oft auch sehr unkonventionellen Persönlichkeiten überall auf der Welt, die nicht nur viel bewegt haben, sondern im Dialog alleine schon bemerkenswert sind.

Wie ist Ihr heutiger Bezug zur HSG und zu HSG Alumni?
Biland: Die HSG verfolge ich sehr aufmerksam, begegne vielen Absolventen und nehme auch immer wieder an Veranstaltungen teil.

Wie gelangen HSGler auf den Radar von Headhuntern?
Biland: Durch besondere Leistung und damit Visibilität, durch Direktkontakt, durch HSG Alumni oder durch sonstige Tätigkeiten, die sie von der grossen Masse abheben.

Was müssen Absolventinnen und Absolventen für Schritte machen, um ihre Traumstelle zu finden?
Biland: Meine Empfehlungen: Lerne zuerst, sammle Erfahrung und empfehle Dich durch Deine Leistung für höhere Aufgaben. Spüre dabei aber auch, was zu Dir passt, wo Du stark bist, pflege Dein Netzwerk und vor allem, sei und bleibe Dir selber treu, bleibe auf dem Boden und behalte Deine Persönlichkeit und gehe Deinen Weg. Nimm Chancen wahr, halte Augen und Ohren offen – aber akzeptiere, dass es auch Glück braucht.

Wie gehen Headhunter wie Sie vor, um die richtigen Kandidatinnen und Kandidaten zu finden?Biland: Neben dem klassischen Research ist es unser bestehendes Netzwerk, das uns hilft und wo wir aktiv Sourcing betreiben. Dabei helfen uns Beurteilungen und Empfehlungen Dritter sowie generell ein «offenes Ohr» gegenüber unseren Partnern und Kontaktpersonen.

Unter den Alumni der HSG hat es einige Headhunter(innen) – ist für diese das HSG-Netzwerk das zentrale Rekrutierungs-Potenzial?
Biland: Ich wäre nicht ehrlich und auch nicht professionell, wenn ich nur auf das HSG-Netzwerk abstellen würde. Generell müssen wir Headhunter offen bleiben und alles immer wieder in Frage stellen – also weder «old boys network» oder «Fischen im immer gleichen Teich» betreiben. Aber als HSGler wissen wir, wie HSGler ticken und was wir in aller Regel von ihnen erwarten können – und das hilft immer. Zudem sind wir den HSGlern gegenüber sicherlich besonders offen. Aber letztlich will der Kunde den besten Mann oder die beste Frau.

Ist das HSG-Netzwerk immer noch wichtig, um zu einer Stelle zu kommen, oder kommt es einzig auf die Person an?
Biland: Das HSG-Netzwerk ist immer noch hilfreich, bringt alleine aber nicht den Job. Es öffnet vielleicht Türen – doch letztlich müssen wir uns alle tagtäglich aufs Neue beweisen und hier ist die Bühne mittlerweile die Welt.