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Wie wichtig ist Ehrlichkeit im Bewerbungsprozess?

Wie ehrlich und authentisch soll man sein, wenn man sich bewirbt? Klar, persönliche Werte und Bedürfnisse stehen bei der Jobsuche im Mittelpunkt. Wer dabei aber die Erwartungen des Unternehmens vergisst, hat verloren. Erfahre, wie du im Bewerbungsprozess dich selbst bleibst, aber dennoch auf die Ansprüche des potenziellen Arbeitgebers eingehst.

By Bernie Tewlin für Jobs.ch,  September 2022

Noch nie in der Geschichte stand das Individuum derart im Zentrum wie heute. Das Positive zuerst: Der Fokus auf die persönlichen Ziele führt zu mehr Selbstverwirklichung und Fairness. Auf der anderen Seite fördert der Trend jedoch die Selbstinszenierung und -Vermarktung. In den sozialen Netzwerken sehen wir meist Gesichter ohne Schönheitsfehler in attraktiven Umgebungen mit vermeintlich sinnstiftenden Botschaften. Wenn wir uns nur auf uns fokussieren und von der besten Seite zeigen, wird die angestrebte gerechte und authentische Arbeitswelt verfehlt.

Unehrlichkeit bei der Bewerbung führt in die Sackgasse

Der Bewerbungsprozess bildet hier keine Ausnahme. Er ist seit jeher ein Wettbewerb, in welchem sich Arbeitnehmer*innen und Arbeitgebende herausputzen, um dann spätestens nach der Probezeit die Masken fallen zu lassen und das wahre Gesicht zu zeigen. Bestrebungen für einen natürlicheren und ehrlicheren Austausch sind da, aber noch immer zieren sich beide Seiten. Weshalb eigentlich? Es ist kein Geheimnis, dass eine Fehlbesetzung Kosten im Bereich eines Jahresgehalts verursacht, ganz zu schweigen von den emotionalen Schäden durch Folgekündigungen der Belegschaft oder Erschöpfung inklusive Arztbesuchen aufgrund von Miseren im Teamgefüge.

Ausprobieren und sich selbst kennenlernen

Wie also solltest du als Bewerber*in vorgehen, um ans Ziel zu kommen? Ein entscheidender Punkt ist die Seniorität. Die erste Zeitspanne deiner Karriere sind die Versuchsjahre. Es darf bewusst ausprobiert und verglichen werden. Passt du in ein KMU oder ist das internationale Grossunternehmen deine erste Wahl? Sagt dir ein hierarchisches Umfeld zu oder ist die holokratische Organisation genau dein Ding? Bist du Spezialist*in und Generalist*in? Dabei gibt es kein falsch oder richtig. Wichtig: Folge nicht irgendwelchen Strömungen, weil sie gerade en Vogue sind. Finde heraus, was zu dir passt. Und vergiss nicht: Es gilt, mitanzupacken und Verantwortung zu übernehmen. Nichts gegen die modernen Trends, von welchen ein paar auch richtig gut sind, aber ohne Leistung und Schweiss kam noch kein Unternehmen zum Erfolg (bitte weitersagen!). Nach den Versuchsjahren solltest du in etwa wissen, was dein ideales Berufssetting ist. Dieses kann sich später noch ändern, die wesentlichen Eckpunkte bleiben aber meist bestehen.

Eine gute Vorbereitung auf die Bewerbung ist die halbe Miete

Unabhängig davon, in welcher Phase du gerade steckst: Im Bewerbungsprozess ist Ehrlichkeit zu sich selbst und zum Arbeitgebenden immer Trumpf. Schau dir bei der Jobsuche die Unternehmen an. Achte auf die Vision, den Zweck und ruf an, wenn du wichtige Fragen hast, die für deine Entscheidung relevant sind. Nimm deine Bewerbung und dein Gegenüber ernst, dich selbst aber nicht zu wichtig. Selbstredend müssen nicht alle Fragen vor dem ersten Kennenlernen geklärt sein. Vielmehr braucht es die Offenheit sich auf Neues einzulassen und nicht zu rasch Vorurteilen oder der Meinung anderer zu verfallen. Auch Bewertungsplattformen sind mit Vorsicht zu geniessen.

Kein*e Arbeitgeber*in und kein*e Arbeitnehmer*in sind perfekt

Kommt es zum Kennenlerngespräch bzw. zum Jobinterview sind von Anfang an eine ehrliche Konversation auf Augenhöhe, Kompromissbereitschaft und eine gute Vorbereitung gefragt: Was musst du in Bezug auf das Unternehmen und die Position wissen, um eine Entscheidung treffen zu können? Was ist dir wirklich wichtig und was nur Beigemüse? Wie kannst du zum Erfolg des Unternehmens beitragen? Welche Kultur und Weiterentwicklung wünschst du dir? Im Austausch kannst du diese Punkte von deinem Gegenüber erfragen, um herauszufinden, inwieweit sich die Vorstellungen decken. Suche dabei nicht die Perfektion, sondern höre auf dein Bauchgefühl und auf das für dich Wesentliche. Vieles zeigt sich erst mit der Zeit und nichts ist bekanntlich so beständig wie der Wandel. Den zu 100% perfekten Arbeitgebenden wie auch die vollkommene Arbeitskraft gibt es nur in Hollywood-Filmen. Die wiederum sind zwar nicht authentisch, aber gut, um für 90min aus der realen Welt zu flüchten.

Haben Sie noch weitere Tipps für den Bewerbungsprozess? Lassen Sie es uns wissen in einem Kommentar.

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